Flugchaos in Europa hält nach System-Hack bei Collins Aerospace an
Angesichts der anhaltenden Folgen eines Cyberangriffs auf Collins Aerospace kämpfen mehrere große europäische Flughäfen weiterhin mit Verspätungen und Flugstreichungen.
Besonders stark betroffen ist der Flughafen Brüssel, der laut Flughafenangaben die Airlines aufforderte, am Montag rund die Hälfte aller Abflüge zu streichen, weil die Auslieferung einer neuen, abgesicherten Version seines Check-in-Systems technische Probleme bereitet.
Auch an den Flughäfen Heathrow und Berlin Brandenburg kam es zu Störungen der Check-in- und Gepäckaufgabe-Systeme, allerdings hatten sich die Verspätungen dort bis Sonntag bereits verringert.
RTX, die Muttergesellschaft von Collins Aerospace, bestätigte eine cyberbedingte Störung und teilte mit, man arbeite aktiv an einer Lösung.
Collins Aerospace liefert Software für Check-in-, Boarding- und Gepäckaufgabe-Systeme an mehrere Flughäfen; diese waren direkt von der Störung betroffen.
Von Flugverspätungen bis zu regulatorischen Veränderungen
Der Cyberangriff hat Schwachstellen zentralisierter Flughafensysteme offengelegt und dadurch mehrere wichtige Drehkreuze lahmgelegt.
Brüssel bleibt am stärksten betroffen: Dort halten die betrieblichen Verzögerungen trotz laufender Reparaturarbeiten an. Airlines und Passagiere müssen weiter mit Unsicherheit rechnen, während Technikteams versuchen, den vollen Betrieb wiederherzustellen.
Mit der neuen EU-Richtlinie NIS2 gelten IT-Dienstleister nun offiziell als Teil der kritischen Infrastruktur – ein Zeichen für die wachsende Bedeutung von Cybersicherheit in der Luftfahrt.
Die NIS2-Richtlinie wurde Ende 2022 verabschiedet und trat am 16. Januar 2023 in Kraft. Die Mitgliedstaaten hatten bis zum 17. Oktober 2024 Zeit, sie in nationales Recht umzusetzen; der Fortschritt variiert jedoch von Land zu Land.
Die Richtlinie weitet verpflichtende Cybersicherheitsmaßnahmen auf zahlreiche Sektoren aus, darunter Verkehr und digitale Infrastruktur. Betroffene Unternehmen müssen Risiken managen, schwerwiegende Vorfälle melden und ihre Lieferketten absichern.
Lehren für mehr Cyber-Resilienz
Cybersicherheits-Expertinnen und ‑Experten betonen, dass Vorfälle wie der Angriff auf Collins Aerospace die Fragilität zentralisierter Infrastrukturen offenlegen.
Sie plädieren für widerstandsfähigere, dezentral aufgebaute Systeme, die Störungen besser verkraften und sich schneller erholen können.
Solange die Ermittlungen laufen, wird die Luftfahrtbranche aufgefordert, robuste Cybersicherheitsmaßnahmen zur Priorität zu machen, um kritische Systeme zu schützen und die Betriebsfähigkeit angesichts neuer digitaler Bedrohungen zu sichern.